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Miscellaneous / Verschiedenes » de.alt.fan.aldi » Die Jagd nach Schnäppchen
Die Jagd nach Schnäppchen [message #208714] So, 22 Januar 2006 01:27
Christoph Weber  
Passend zum Thema Jagd auf Schnäppchen und Shoppingspaß hat sich Fritz
Strack, Prof. für Psychologie in Würzburg, vor einigen Tagen in der
Sueddeutschen geäußert. Hier einige Auszüge :

".....Der heutige Verbraucher ist ein nur schwer zu verstehendes
Wesen.Er verweigert den Konsum, lässt große Teile seines Vermögens
nutzlos auf Sichtkonten verkommen, frequentiert trotz hohen Einkommens
am liebsten Billigmärkte. Und: Er kann sich gar nicht mehr an dem
freuen, was er käuflich erworben hat und nun sein Eigen nennen darf.
Während der Konsum kaum mehr mit Spaß verbunden ist, treten beim
Einkauf andere Emotionen in den Vordergrund. „Geiz ist geil“ lautet
einer der meistverbreiteten Lockrufe. Aber wieso? Sind wir die
Nachfahren von Dagobert Duck, die ihren Geldschatz hüten und
aufpassen, dass ja nichts davon wegkommt? Und wie kann es sein, dass
der Appell an den Geiz ausgerechnet zum Geldausgeben animiert?

Die Antwort ist recht kompliziert und hat mit einer Unterscheidung zu
tun, die Richard Thaler vor einigen Jahren in die
Diskussion gebracht hat. Dieser sehr psychologisch orientierte
Wirtschaftswissenschaftler von der University of Chicago erkennt zwei
Motive, welche Konsumenten dazu bewegen, für eine Ware (oder
Dienstleistung) Geld auszugeben. Das erste nennt er „acquisition
utility“, also den Nutzen, der aus der Aneignung des Produkts
hervorgeht. Das zweite Motiv heißt „transaction utility“ und
beschreibt den Nutzen, der entsteht, wenn der Kauf ein „good deal“
(ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis) oder gar ein Schnäppchen
war. Wurde früher das Preis-Leistungs-Verhältnis dem persönlichen
Nutzen einer Anschaffung untergeordnet, so ist es heute eher
umgekehrt. Es kommt weniger darauf an, ob man eine Ware braucht;
wichtiger ist, ob man einen guten Deal gemacht hat, Thalers
„transaction utility“ also.

So stapeln sich in vielen Heimwerkerschränken diverse
Elektrowerkzeuge, die nicht erworben wurden, weil man sie
gebraucht hat, sondern weil sie billig waren und man ja nie weiß, ob
man sie vielleicht in Zukunft einmal brauchen kann. Dann gibt es jene
Kleidungsstücke, die nicht etwa gekauft werden, weil sie dem Geschmack
des Käufers entsprechen, sondern weil sie um einige Prozent
heruntergesetzt waren.

Was ist nun die tiefere Ursache für das Streben nach Schnäppchen? Ein
Indiz liefert die Beobachtung, dass wir gern darüber reden. Während
wir uns selten zu einer teuren Anschaffung bekennen, finden wir nichts
dabei, Bekannte darüber zu informieren, wie wenig wir für ein
bestimmtes Produkt ausgegeben haben. Diese Mitteilung wird dann oft in
ein Ratespiel verpackt, bei dem der Angesprochene den tatsächlich
gezahlten Preis der Ware herausfinden soll. Andererseits gibt es
nichts Peinlicheres als das Eingeständnis, für eine Ware mehr bezahlt
zu haben als der Gesprächspartner.

Mit dem Slogan „Ich bin doch nicht blöd!“ hat die Werbung das
Bestreben auf den Punkt gebracht, nicht nur als rationales
Wirtschaftssubjekt zu gelten, sondern über die Fähigkeit zur
Maximierung des wirtschaftlichen Nutzens zu verfügen.
Dies gilt als Beleg für besondere Intelligenz oder zumindest
Cleverness. Dieser Rationalitätszwang, der den Spaß am Produkt in den
Hintergrund stellt und in erster Linie darauf abhebt, ob es günstig
erworben wurde, hat jedoch seinen Preis. Er geht einher mit dem
Verlust der langfristigen Freude an einer Anschaffung. Es muss ja
nicht gleich ein Rausch sein – aber wenn der Konsum vor allem der
Bestätigung der Vernunft des Käufers dient, führt dies zu einer
Einschränkung der Lebensqualität. So muss die eigene Rationalität
durch neue Käufe immer wieder bestätigt werden; sonst verzichtet man
aus Angst vor schlechten Entscheidungen gar auf bestimmte
Anschaffungen. Mit Freunden spricht man dann noch weniger über
Vorlieben und Abneigungen, sondern versucht, sich gegenseitig
in der beim Kaufakt bewiesenen Cleverness zu übertreffen. ........."

Na, wer hat sich hier und da erkannt ? ;)

chris
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208722 ] So, 22 Januar 2006 08:56
C Engelmann  
Christoph Weber <cwnews04 [at] arcor.de> wrote:
>Wurde früher das Preis-Leistungs-Verhältnis dem persönlichen
>Nutzen einer Anschaffung untergeordnet, so ist es heute eher
>umgekehrt. Es kommt weniger darauf an, ob man eine Ware braucht;
>wichtiger ist, ob man einen guten Deal gemacht hat, Thalers
>„transaction utility“ also.

Die Grundbedürfnisse sind schon lange befriedigt, dann müssen halt
andere Motive her. Ich gehöre aber nicht zu den Leuten, die lauter
überflüssige Sachen anschaffen. Ich denke mit Grausen an die
komplizierte Entsorgung der alten Sachen. Das war früher alles ganz
einfach, die Altwarenkäufer klingelten an der Haustür.
Ich habe außer einem Wasserkocher und einem Mixer kein elektrisches
Haushaltsgerät. Mein PC ist bereits 5 Jahre alt. Ich würde vielleicht
ein neues TV-Gerät kaufen, aber wohin mit dem alten. Also besser einen
DVD-Rekorder ;-)

Gruß
Carsten
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208731 ] So, 22 Januar 2006 10:54
Notifier Deamon  
Post removed (X-No-Archive: yes)
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208737 ] So, 22 Januar 2006 11:16
C Engelmann  
Konrad Wilhelm <konrad_wilhelm [at] web.de> wrote:
>Das ist ein weiterer sehr starker Anlass dafür, dass nur noch das
>Allernötigste für das Leben ausgegeben wird, damit möglichst viel für
>das Alter gespart werden kann. Und auch hier: die zugrunde liegende
>Angst kostet tatsächlich sehr viel Lebensqualität.

.... und erzeugt die Armut, vor der man sich fürchtet.

Du übersiehst im Artikel aber die Unsinnskäufer, die irgendwas kaufen,
nur um zu sparen. Es gab mal einen Gottschalk-Spot, wo er sich gleich
zwei preisgünstige Jacken gekauft hat, um mehr zu sparen. Solche Leute
denken nicht an die Rente ihrer Neugeborenen.

Gruß
Carsten
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208761 ] So, 22 Januar 2006 13:42
Notifier Deamon  
Post removed (X-No-Archive: yes)
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208773 ] So, 22 Januar 2006 14:50
schiszler  
Kenneth Staker schrieb:

> Der andere Punkt sind die herabgesetzten Sachen. Da wird lange überlegt,
> ob man nicht dieses oder jenes kauft, nur weil es heruntergesetzt ist.
> Teuer würde man es nie kaufen. Aber dann schaut man nur auf den
> Preisnachlass und nimmt sogar evtl. Mängel in Kauf, nur weil man auf die
> Ersparnis schaut und nicht auf das Geld was es trotzdem noch kostet.
>
> Ich selber bin Bedarfskäufer. Ich kaufe etwas, wenn ich es brauche, und
> selten auf Vorrat oder Verdacht.

Aber es gibt auch Zwischenstufen. Wenn ich nächste Woche bei den
Asia-Wochen zuschlagen werde, kaufe ich auch weit über den momentanen
Bedarf hinaus auf Vorrat. Trotzdem wir mir nichts schlecht im Schrank.

Hardy

--
Neu nicht, befürchte ich. Nicht, solange sie sich einreden lassen, sie bräuchten
für ihr bißchen surfen, emailschreiben und wordprocessing Killermaschinen, mit
denen die NASA zum Saturn geflogen und die Nazis den Krieg gewonnen hätten.
(Peter Bruells auf die Frage, ob es einen 100-Euro-Rechner neu gibt)
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208778 ] So, 22 Januar 2006 15:03
Stefan Nowak  
Kenneth Staker wrote:

> Das trifft 100% auf meine Mutter zu. Ich höre immer wieder den Begriff
> "Das könnte man ja mal irgendwann brauchen." Schrecklich. Mittlerweile
> stapelt sich das "Könnte man mal gebrauchen"-Zeugs in Schränken und
> Abstellkammern. Und man müllt damit nicht nur den Raum zu, sondern vor
> allem sein eigenes Leben, da einem das über den Kopf wächst. Ich
> bezeichne Mutter schon als Messie im Frühstadium, aber das will sie
> natürlich nicht hören. Das Ergebnis ist, dass sie selber nicht mehr
> weiss, was sie überhaupt hat und immer mehr kauft.

Bei uns in Ö wurde vor einige Wochen eine Studie zum Thema Kaufsucht
gemacht, das Ergebnis war sogar in den Nachrichten zu hören.

Von den Jüngeren sind angeblich immer mehr Leute in Gefahr, kaufsüchtig
zu werden, bei den jüngeren weiblichen Erwachsenen sogar 50-60% IIRC.

Also immer mehr Leute kaufen nicht das, was sie brauchen oder wonach sie
ein wirkliches Bedürfnis haben, sondern suchen den "Kick" beim
Einkaufen, das Gefühl, sich etwas leisten zu können und dazuzugehören.

Stefan
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208784 ] So, 22 Januar 2006 15:26
Dieter Bruegmann  
-<| Stefan Nowak | Sun, 22 Jan 2006 15:03:11 +0100 |>-

> Von den Jüngeren sind angeblich immer mehr Leute in Gefahr, kaufsüchtig
> zu werden, bei den jüngeren weiblichen Erwachsenen sogar 50-60% IIRC.
>
> Also immer mehr Leute kaufen nicht das, was sie brauchen oder wonach sie
> ein wirkliches Bedürfnis haben, sondern suchen den "Kick" beim
> Einkaufen, das Gefühl, sich etwas leisten zu können und dazuzugehören.

Daher kaufen sie sich auch solche Dinge, die niemand wirklich braucht,
z.B. portable MP3-Player und Handys mit Kamera. Sie wollen eben
dazugehören.


Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://www.bruhaha.de
Disclaimer: Diese Nachricht kann unsichtbare Smilies enthalten!

Hör auf zu posten, wenn Du keine Kommentare wünschst.
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208790 ] So, 22 Januar 2006 16:17
schiszler  
Dieter Bruegmann schrieb:

> -<| Stefan Nowak | Sun, 22 Jan 2006 15:03:11 +0100 |>-
>
>> Von den Jüngeren sind angeblich immer mehr Leute in Gefahr, kaufsüchtig
>> zu werden, bei den jüngeren weiblichen Erwachsenen sogar 50-60% IIRC.
>>
>> Also immer mehr Leute kaufen nicht das, was sie brauchen oder wonach sie
>> ein wirkliches Bedürfnis haben, sondern suchen den "Kick" beim
>> Einkaufen, das Gefühl, sich etwas leisten zu können und dazuzugehören.
>
> Daher kaufen sie sich auch solche Dinge, die niemand wirklich braucht,
> z.B. portable MP3-Player und Handys mit Kamera. Sie wollen eben
> dazugehören.

Ach so, deshalb ist das so schlimm für dich: Du bist draußen beim
Grützke und niemand lässt dich rein.

Hardy, ja dann habe ich Verständnis

--
Michael J. Schülke über McKinsey:
Das sind Berater -- Du kannst von ihnen nicht erwarten,
daß sie Deutsch sprechen, dann würde ja jeder merken,
daß sie auch nur mit Wasser kochen... ;-)
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208792 ] So, 22 Januar 2006 16:15
schiszler  
Stefan Nowak schrieb:

> Also immer mehr Leute kaufen nicht das, was sie brauchen oder wonach sie
> ein wirkliches Bedürfnis haben, sondern suchen den "Kick" beim
> Einkaufen, das Gefühl, sich etwas leisten zu können und dazuzugehören.

Das ist aber eine andere Intention, wie von Kenneth geschildert. Bei
ihm ist der Wille zum Kaufen weil es gerade so schön preiswert ist.
Hier ist ein Kostenbewusstsein vorhanden, das in einigen Fällen auch
von der Sucht abhalten wird.

Hardy

--
Wenn ich die Einhand-Bandbestücker und -Wagenbelader beobachte und nach
der völlig überraschenden Geldforderung der Kassiererin lerne, an welchen
Körper- und Accessoirstellen manche Leute ihr Geld vermuten, kann ich mit
Kleingeldzahlung damit nicht konkurrieren. (Bernd Wortmann)
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208795 ] So, 22 Januar 2006 16:24
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208796 ] So, 22 Januar 2006 16:26
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208800 ] So, 22 Januar 2006 17:02
Dieter Bruegmann  
-<| Kenneth Staker | Sun, 22 Jan 2006 16:26:53 +0100 |>-

>> Daher kaufen sie sich auch solche Dinge, die niemand wirklich braucht,
>> z.B. portable MP3-Player und Handys mit Kamera. Sie wollen eben
>> dazugehören.
>
> Hmmm, ich muss wohl meine Scoring-Regeln anpassen, so dass solcher
> Dummschwatz nicht mehr sichtbar ist, auch bei replies auf meine
> Beiträge.

Ja, kneif nur die Augen zu!


Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://www.bruhaha.de
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Hör auf zu posten, wenn Du keine Kommentare wünschst.
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208801 ] So, 22 Januar 2006 17:02
Dieter Bruegmann  
-<| Hartmut 'Hardy' Schiszler | Sun, 22 Jan 2006 16:17:37 +0100 |>-

>> -<| Stefan Nowak | Sun, 22 Jan 2006 15:03:11 +0100 |>-
>>
>>> Von den Jüngeren sind angeblich immer mehr Leute in Gefahr, kaufsüchtig
>>> zu werden, bei den jüngeren weiblichen Erwachsenen sogar 50-60% IIRC.
>>>
>>> Also immer mehr Leute kaufen nicht das, was sie brauchen oder wonach sie
>>> ein wirkliches Bedürfnis haben, sondern suchen den "Kick" beim
>>> Einkaufen, das Gefühl, sich etwas leisten zu können und dazuzugehören.
>>
>> Daher kaufen sie sich auch solche Dinge, die niemand wirklich braucht,
>> z.B. portable MP3-Player und Handys mit Kamera. Sie wollen eben
>> dazugehören.
>
> Ach so, deshalb ist das so schlimm für dich: Du bist draußen beim
> Grützke und niemand lässt dich rein.

Wer braucht schon einen Grützke?


Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://www.bruhaha.de
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Hör auf zu posten, wenn Du keine Kommentare wünschst.
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208807 ] So, 22 Januar 2006 17:34
schiszler  
Kenneth Staker schrieb:

> Du glaubst gar nicht, was ich bei meinen Großeltern an abgelaufenen
> Lebenmitteln entsorgt habe, als ich mal die Chance habe.

Habe ich erst kürzlich bei mir gemacht. War auch ein Vorratskauf, in
die hinterste Ecke geräumt und schlichtweg vergessen. Jetzt war das
MHD deutlich überschritten, allerdings hatte ich entsprechende Artikel
in der Zwischenzeit bereits mehrmals nachgekauft.
Aber das ist schlicht und ergreifen Blödheit...

Hardy

--
>Die Google-Groups-Suche liefert fuer die Kombination Wolfgang Gerber und
>Dummschwaetzer 83 Treffer und in der Werbeleiste werden Taschenmesser
>angeboten. Noch Fragen?
René Fuchs
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208812 ] So, 22 Januar 2006 18:01
Guenter Schink  
Hartmut 'Hardy' Schiszler meinte

>Habe ich erst kürzlich bei mir gemacht. War auch ein Vorratskauf, in
>die hinterste Ecke geräumt und schlichtweg vergessen. Jetzt war das
>MHD deutlich überschritten, allerdings hatte ich entsprechende Artikel
>in der Zwischenzeit bereits mehrmals nachgekauft.
>Aber das ist schlicht und ergreifen Blödheit...

Wobei ein MHD nicht wirklich eng gesehen werden muss. Z.B. werden
Camemberts oder Harzer einklich erst nach Ablauf des MHD wirklich
genießbar. Und dem guten "Desira Diät Joghurt" schaden auch ein paar
Tage Überziehung selten etwas.

Gruß Günter, allerdings das Wort "deutlich" schon bemerkt habend...
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208820 ] So, 22 Januar 2006 18:53
C Engelmann  
Kenneth Staker <uoA1uHaj [at] web.de> wrote:
>... wo man wieder Kaution usw zahlen
>muss. Da sind schnell einige 1000¤ aufgebraucht

Du bekommst ja die jetzige Kaution zurück. :-)

Gruß
Carsten
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208832 ] So, 22 Januar 2006 20:28
Gerald Kossner  
"Konrad Wilhelm" <konrad_wilhelm [at] web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:kti6t1l6pc7a3ou6dl05f74m8up0efhbu4 [at] 4ax.com...
> On Sun, 22 Jan 2006 01:27:21 +0100, Christoph Weber
> <cwnews04 [at] arcor.de> wrote:
>
> Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein weiterer Grund ist die
> allgemeine Armutsdiskussion in Stile "die Renten sind nicht mehr
> sicher", "die Altersversorgung muss vom Umlagesystem auf ein
> Rücklagesystem umgestellt werden" und so weiter.

Richtig. Das Generationendiktat wird nicht mehr funktionieren und die
wenigsten vernünftigen Menschen möchten im Alter auf Sägemehldiät leben
müssen.


> Das treibt Blüten: "wir
> bekommen in 3 Monaten einen Sohn. Nun möchte ich schon etwas für
> dessen Altersversorgung tun und monatlich dafür 50 ¤ anlegen. Welche
> Produkte eignen sich dazu? Sparen für das Alter vom Zeitpunkt der
> Zeugung an!

Das Kindergeld hat sich in den vergangenen 15 Jahren ungefähr
versechsfacht!
Solltest Du es schaffen dieses Kindergeld für deinen Filius einigermaßen
gut anzulegen, dann braucht sich dieser keine Sorgen mehr um sein
Auskommen im Alter machen.
Ich habe dazu ein kleines Finanzmathematikprogramm geschrieben, dass ich
dir auf Wunsch gerne zusende.

Als Anlage würde ich einen Sparplan mit einem internationalen
Aktienfonds empfehlen. ( Templeton Growth, DWS Akkumula, etc.)
Durch den sog. Cost-Average-Effekt wirken sich Kursschwankungen sehr
günstig auf die Rendite aus.


> Das ist ein weiterer sehr starker Anlass dafür, dass nur noch das
> Allernötigste für das Leben ausgegeben wird, damit möglichst viel für
> das Alter gespart werden kann. Und auch hier: die zugrunde liegende
> Angst kostet tatsächlich sehr viel Lebensqualität. Mehr
> Eigenverantwortung lässt nun mal schlecht schlafen.

Die fetten Jahre sind nunmal vorbei.
Jetzt bekommen wir halt die Rechnung für Kohls
Wiedervereinigungsmanagement präsentiert.
Ernsthafte Ökonomen hatten das damals allerdings auch so prophezeit.

Gruß

Gerald
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208833 ] So, 22 Januar 2006 20:29
Notifier Deamon  
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208835 ] So, 22 Januar 2006 20:30
Notifier Deamon  
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208844 ] So, 22 Januar 2006 23:44
Notifier Deamon  
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208845 ] Mo, 23 Januar 2006 00:39
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208862 ] Mo, 23 Januar 2006 12:06
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208864 ] Mo, 23 Januar 2006 15:13
Gerald Kossner  
"Konrad Wilhelm" <konrad_wilhelm [at] web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:0318t1p7h0abklqfo76g3enffod5jp2p62 [at] 4ax.com...
> On Sun, 22 Jan 2006 20:28:54 +0100, "Gerald Kossner" <kossner [at] gmx.de>
> wrote:
>
> >Die fetten Jahre sind nunmal vorbei.
>
> Ja, schade. Jetzt werden wir es schwieriger haben, die 8 Billionen ¤
> Privatvermögen noch schneller zu verdoppeln.

Im Gegenteil: Die Erbschaftssteuer für die Vermögenden wird doch
demnächst erst einmal gesenkt und die Vermögensteuer ist hierzulande
abgeschafft.

Schön für dich wenn du zu den "wir" gehörst.

Leider trifft das nicht die Masse der Einwohner.
Ist halt alles eine Sache der Vermögensverteilung.
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208865 ] Mo, 23 Januar 2006 15:19
Gerald Kossner  
"Kenneth Staker" <uoA1uHaj [at] web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:kfe5a2vsy0tk$.dlg [at] mugros.funpic.de...
> Der Begriff "Sichtkonten" ist mir zwar nicht geläufig, ...

Über das Geld auf Sichtkonten kann man ohne Wartezeiten sofort verfügen.
z.B. Girokonten, Tagegelder, etc.
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208866 ] Mo, 23 Januar 2006 15:22
Gerald Kossner  
"Stefan Nowak" <minhas.terra [at] freenet.de> schrieb im Newsbeitrag
news:dr03cj$59j$1 [at] newsreader1.utanet.at...
> Von den Jüngeren sind angeblich immer mehr Leute in Gefahr,
kaufsüchtig
> zu werden, bei den jüngeren weiblichen Erwachsenen sogar 50-60% IIRC.
>
> Also immer mehr Leute kaufen nicht das, was sie brauchen oder wonach
sie
> ein wirkliches Bedürfnis haben, sondern suchen den "Kick" beim
> Einkaufen, das Gefühl, sich etwas leisten zu können und dazuzugehören.

Die Werbung hat hier ganze Arbeit geleistet. Leider!
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208867 ] Mo, 23 Januar 2006 17:13
Frank Walter  
Christoph Weber schrieb:

> Und: Er kann sich gar nicht mehr an dem
> freuen, was er käuflich erworben hat und nun sein Eigen nennen darf.
> Während der Konsum kaum mehr mit Spaß verbunden ist, treten beim
> Einkauf andere Emotionen in den Vordergrund. „Geiz ist geil“ lautet
> einer der meistverbreiteten Lockrufe. Aber wieso?

Kann ich Dir für mich an einem Beispiel ganz klar sagen: Kleidung und
Schuhe sind seit Einführung des Euro so unverschämt teuer, dass ich mir
da deutlich weniger kaufe, weil es mir wirklich keinen Spaß mehr macht.
Beispiel Schuhe: Gallus gab es früher immer im Angebot für 99 DM. Heute
für nicht unter 80 Euro.

> Das erste nennt er „acquisition
> utility“, also den Nutzen, der aus der Aneignung des Produkts
> hervorgeht.

Oder den Zwang es zu brauchen.

Das zweite Motiv heißt „transaction utility“ und
> beschreibt den Nutzen, der entsteht, wenn der Kauf ein „good deal“
> (ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis) oder gar ein Schnäppchen
> war. Wurde früher das Preis-Leistungs-Verhältnis dem persönlichen
> Nutzen einer Anschaffung untergeordnet, so ist es heute eher
> umgekehrt. Es kommt weniger darauf an, ob man eine Ware braucht;
> wichtiger ist, ob man einen guten Deal gemacht hat, Thalers
> „transaction utility“ also.

Der dritte Nutzen ist der, sich das Geld zu sparen und in Zeiten, in
denen einem jeder dauernd nur die Renten in 40 Jahren um die Ohren haut,
erscheint es dann sinnvoller, sich die Anschaffung gleich zu sparen.
Ich kann mittlerweile nicht mehr richtig unterscheiden, wie das Ausmaß
des Problems wirklich sein wird. Mein Eindruck ist, dass oft aus
Marketing-Gründen die Situation von Versicherungen noch schlechter
geredet wird, als sie eigentlich ist. Das löst dann ein schlechtes
Gewissen aus, wenn man sich mal "was leistet".

> Mit dem Slogan „Ich bin doch nicht blöd!“ hat die Werbung das
> Bestreben auf den Punkt gebracht, nicht nur als rationales
> Wirtschaftssubjekt zu gelten, sondern über die Fähigkeit zur
> Maximierung des wirtschaftlichen Nutzens zu verfügen.

Lustig dabei ist, dass ausgerechnet der Blödmarkt seltenst günstige
Preise anbietet.

Frank
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208870 ] Mo, 23 Januar 2006 17:51
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Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208872 ] Mo, 23 Januar 2006 18:12
Rejnold Byzio  
Konrad Wilhelm <konrad_wilhelm [at] web.de>:

>> Leider trifft das nicht die Masse der Einwohner.
>> Ist halt alles eine Sache der Vermögensverteilung.
>
> komischerweise hört man grade in letzter Zeit solche eher
> sozialistisch angehauchten Äußerungen immer öfter. Vor
> relativ kurzer Zeit beschrieb man diese Situation noch mit
> so Bemerkungen wie "Ist doch gut, wenn es den Unternehmern
> gut geht, dann wird es uns auch nicht schlecht gehen".
>
> Was mich vor diesem Hintergrund vermehrter
> Kapitalismuskritik verwundert ist das schlechte Abschneiden
> der Linkspartei. Ist das die Angst vor der eigenen Courage?

Eher ein Problem der Statistik. Wenn ich höre daß es uns
Deutschen insgesamt ganz gut geht und mir geht's schlecht, dann
hat ein anderer mein Stück vom Kuchen abbekommen.

Was mich stört ist eigentlich daß die großen Vermögen eigentlich
schwarze Löcher für Geld sind. Man muß sich schon ziemlich blöd
anstellen um aus einem großen Vermögen ein kleines zu machen -
oder man fragt seinen Sparkassenberater. :)

Wer hat dem wird gegeben, wer nicht hat dem wird genommen.
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208875 ] Mo, 23 Januar 2006 19:27
Joachim Rektenwald  
Hi Konrad Wilhelm,


>>Leider trifft das nicht die Masse der Einwohner.
>>Ist halt alles eine Sache der Vermögensverteilung.
>
> komischerweise hört man grade in letzter Zeit solche eher
> sozialistisch angehauchten Äußerungen immer öfter. Vor relativ kurzer
> Zeit beschrieb man diese Situation noch mit so Bemerkungen wie "Ist
> doch gut, wenn es den Unternehmern gut geht, dann wird es uns auch
> nicht schlecht gehen".

na weil selbst dem soliden Mittelstand so langsam das Muffensaussen geht,
du kannst eben heute auch bei einer guten Wirtschaftslage als Familienvater
mit Haus, Frau und zwei Kindern unverschuldet von heute auf morgen auf die
Straße gesetzt werden, weil ein schlauer Unternehmer meint, dein Job könnte
auch ein Ukrainer für ein Zehtel des Lohns erledigen. Und dann kassierst du
noch läppische zwölf Monate halbewegs gute Leistungen, und wenn du Pech
hast und in der Zeit keinen Job findest - mit über 30 ist man ja kaum noch
vermittelbar - dann bist du plötzlich ganz unten angelangt.

Was mich wundert ist, dass nicht noch mehr Leute dolche "sozialistisch
angehauchten Äußerungen" noch wesentlich lautstärker formulieren.

cu,

Jo
Re: Die Jagd nach Schnäppchen [message #208891 ] Mo, 23 Januar 2006 22:03
Notifier Deamon  
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Vorheriges Thema:Rauchmelder bei LIDL
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